Die Schweizergarde

(Cohors pedestris Helvetiorum a sacra custodia Pontificis)

 

 

 

                                   

 

 

Die Schweizergarde ist die kleinste, friedlichste u. wahrscheinlich auch älteste Armee der Welt.

Gründung am 21. Juni 1506 von Papst Julius II. u. approbiert von Papst Leo X. (1513-1521), seither hat sie als einzige Garde dauerhaften Bestand. Die 1801 gegründete Nobelgarde u. die 1850 entstandene Palatinehrengarde wurden auf Weisung von Papst Paul VI. in einem Brief an Kardinalstaatssekretär Jean Villot vom 15. 9. 1970 aufgehoben. Seine Begründung lautete: „Die religiöse Mission des Heiligen Vaters solle auch im äußerlichen Bild des Vatikans zum Ausdruck kommen.“ Aus der päpstlichen Gendarmerie wurde die „ Vigilanza“, ein im Vatikan von Italienern versehener Polizeidienst.

Die Schweizergarde besteht aus 100 Personen u. bestand in der Vergangenheit aber nie aus mehr als 250 Mann. Pro Jahr werden zwischen 30 u. 35 neue Gardisten vereidigt. Sie müssen sich mindestens für 2 Jahre zum Dienst verpflichten, Schweizer Bürger, ledig, katholisch, mindestens 1,74 m groß u. nicht älter als 30 Jahre sein, sowie eine militärische Ausbildung in der Heimat absolviert haben.

Neben rund 70 Hellebardieren gibt es 25 Unteroffiziere u. 4 Offiziere, die oft Jahrzehnte im Vatikan ihren Dienst leisten. Dazu kommt der Gardekaplan, der im Offiziers-Rang steht.

Seine Struktur seit 1976:

Kompanie im Regimentsrang: 1 Kommandant als Oberst; 1 Oberstleutnant; 1 Gardekaplan als Oberstleutnant; 1 Major; 1 Hauptmann; 1 Feldwebel für Sondereinsätze; 4 Wachtmeister; 10 Korporale; 10 Vicekorporale u. 60 Hellebardiere (von Papst Johannes Paul II. um 10 Personen erhöht); insgesamt 100 Mann.

Nur noch einmal im Jahr werden die in der Rüstkammer des Vatikans aufbewahrten rund 70 Brustpanzer des 16. Jahrhunderts angelegt, und zwar am 6. Mai, wenn die neuen Schweizer Gardisten alljährlich im Vatikanischen Damasushof zur Erinnerung an den „Sacco di Roma“ den Eid auf die Gardefahne leisten. Als „Sacco di Roma“ war der Überfall der Landsknechte Kaiser Karl V. auf Rom u. den Vatikan am 6. Mai 1527 in die Geschichte eingegangen. 147 Schweizer Gardisten waren im Kampf mit ihrem Kommandanten Kaspar Röist gefallen, während die 42 Überlebenden Papst Klemens VII. über den ummauerten Fluchtweg vom Vatikan zur Engelsburg in Sicherheit bringen konnten. 1548 wurde das Korps von Papst Paul III. mit 225 Mann neu ausgestattet. 1571 gelang im Kampf gegen die Türken auf Zypern die Eroberung von zwei feindlichen Fahnen. 1660 wurde das Korps auf 120 Mann reduziert u. von Papst Klemens XI. im 18. Jahrhundert auf 170 erhöht. Im Dienst wurden die Brustpanzer das letzte Mal zum Staatsbesuch von General de Gaulle im Jahr 1959 getragen. Papst Paul VI. hatte die Brustpanzer 1970 für den Gebrauch bei festlichen Anlässen neben anderen „nicht mehr ganz zeitgemäßen Dekorationen“ abgeschafft.

Die Kopfbedeckung hat sich im Lauf der Jahrhunderte der Mode angepasst. Dem heutigen Helm mit Federbusch stehen preußische Pickelhauben u. schwarze Hüte mit Federn u. Bändern nach französischem Vorbild gegenüber. Uniformen sind maßgeschneidert. Die gelbblauen Streifen an Ärmeln u. Hosen fallen lose über das durchgehend rote Untergewand, daraus entsteht der Pludereffekt. Auch die Uniform hat sich im Lauf der Zeit nach den Strömungen der zivilen Mode u. nach militärischen Vorbildern verändert. In der Rüstkammer, für Besucher nicht zugänglich, werden die historischen Schwerter wie auch die heute noch benutzten Schwerter u. Hellebarden aufbewahrt. Uniformem gehen nach einer Dienstzeit von 5 Jahren an den Träger, (er darf sie zur Erinnerung mit in die Heimat nehmen). Doch Schwert, Gürtelschnalle u. Helm verbleiben in der Waffenkammer.

Laut Orientierungsblatt des Kommandanten:

„Von einem Gardisten wird erwartet, dass er sich dienstlich u. außerdienstlich, entsprechend seiner Ehren- u. verantwortungsvollen Stellung, in religiöser, moralischer u. soldatischer Hinsicht um eine tadellose Haltung bemüht u. dass er seine Freizeit nutzbringend für seine Zukunft verwendet.“

An freien Abenden muss der Gardist um Mitternacht, wenn das Annator als letztes Tor des Vatikans geschlossen wird, in der Kaserne sein. Die Gardisten fühlen sich aber auch als Privilegierte, denn so oft u. so lange wie sie darf sich sonst kein normal Sterblicher in der Nähe des Papstes aufhalten.

 

 

Eidesformel

(wird von Gardekaplan verlesen)

 

Ich schwöre, treu, redlich und ehrenhaft zu dienen dem regierenden Papst und seinen rechtmäßigen Nachfolgern; und mich mit ganzer Kraft für sie einzusetzen, bereit, wenn es erheischt sein sollte, selbst mein Laben für sie hinzugeben. Ich übernehme dieselbe Verpflichtung gegenüber dem Heiligen Kollegium der Kardinäle während der Sedis-Vakanz des Apostolischen Stuhls. Ich verspreche überdies dem Herrn Kommandanten und meinen übrigen Vorgesetzten Achtung, Treue und Gehorsam. Ich schwöre, alles das zu beachten, was die Ehre meines Standes von mir verlangt.

 

 

Schwurformel

(spricht der Rekrut in seiner Muttersprache)

 

Ich schwöre, alles das, was mir soeben vorgelesen wurde, gewissenhaft und treu zu halten, so wahr mir Gott und seine Heiligen helfen.